Es ist mehr als 12 Jahre her

Geschrieben von meiner Frau Ute für “Bubi”

Es ist mehr als 12 Jahre her, da saß ein schreiendes, halb verhungertes, erbärmliches und verzweifeltes schwarzes Etwas in unserem Garten.
Niemand weiß, wo es hergekommen ist, aber es kam immer wieder.
Mein Mann Jürgen stellte sich mit Saitenwürstchen bewaffnet auf unseren Balkon und warf dem kleinen Kerl Stückchen davon runter.
„Du kleiner Bubi, hast so großen Hunger???“
Dieses Spiel wiederholte sich über längere Zeit und wir kamen zu dem Schluss, dass der kleine Kerl offensichtlich kein Zuhause hatte.
Eigentlich wollte ich das schreiende Etwas nicht in der Wohnung haben, aber nach langem hin und her gab ich nach, und Kater Bubi
wurde ein Teil unserer Familie.

Bubi wir lieben dich!

Er zeigte sich sehr wohlerzogen und auch wenn er Streicheleinheiten gegenüber sehr skeptisch war, Bisse und Kratzer waren da nicht selten, so war er doch sehr anhänglich.
Er hatte das ganze Haus im Griff. Von oben konnte er über den Balkon, das Gartenhäuschen und den Fliederbusch in den Garten gelangen. Im Garten angekommen stand er meistens sofort vor der Terrassen Tür meiner Eltern, die ihn dann rein ließen und die Treppe hochbrachten. Die Worte meiner Mutter dann: „ Ich bring euch euer Kind…“
So wurde für Bubi das ganze Haus eine Art Kreisverkehr…Und alle taten was er grad wollte…

Er verstand sofort wozu ein Katzenklo diente und hat nicht einmal versucht, Tische oder Schränke zu erkunden.
Den einzigen Platz, den er für sich beanspruchte, war der Sessel im Wohnzimmer. Da konnte er auch schonmal sehr vorwurfsvoll schauen, wenn ihm den jemand streitig machte.
So gingen die Jahre ins Land und letzten Sommer lachten wir noch herzlich darüber, dass das halbverhungerte Etwas plötzlich mit dem Hinterteil wackeln musste, um durch die Gitterstäbe des Balkons zu kommen, so gut hatte er zugelegt.

Dieses Jahr erkrankte mein Vater sehr schwer. Wir waren dauernd in Sorge und unterwegs, und so bemerkten wir wohl zu spät, dass der Kleine viel Gewicht verloren hatte und irgendwie Anders war.
Die Tierärztin stellte eine schwere Schilddrüsen-Überfunktion fest und verordnete ihm sehr starke Medikamente.
Er wurde dennoch immer schwächer und schwächer, bis er an einem Sonntag vor 2 Wochen einen schweren Krampfanfall erlitten hatte.
Bubi war bis in die Krallenspitzen verkrampft und schrie jämmerlich vor Schmerzen.
Sofort machten wir einen Tierarzt ausfindig, der ihn sich gleich anschaute, aber eine Diagnose konnte/wollte er nicht stellen.
Er spritzte ihm Aufbaustoffe und Cortison.
Der nächste Anfall kam kurze Zeit später und dann in immer kleineren Abständen. Immer wieder bekam er die gleichen Injektionen,
aber anscheinend half ihm das alles nicht.
Er trank und ass nichts mehr…
Am Mittwoch früh wieder ein Anfall und dieses Mal entschieden wir mit dem Doc zusammen, dass er jetzt eine Apetittanregende
Injektion bekommen würde und wir das Medikament absetzen.
Mittwoch nachmittag kam der Kleine dann auf mehr als wackeligen Beinen und wollte fressen, war aber so schwach,
dass wir ihm den Napf vor die Nase halten mussten, sonst wäre er reingefallen.
Er ass sehr lange und sehr wenig und wackelte zurück unter seinen Tisch.
Wenn er danach kam um zu trinken, hatte er sofort wieder einen Anfall.
So auch heute morgen gegen 5 Uhr.

Jürgen machte sofort einen Termin in der nächsten Tierklinik.
Er brachte unseren Schatz nicht mehr heim. Sein kleines Herz hätte wohl die Anstrengungen nicht mehr lange ertragen und so mussten wir
die schwere Entscheidung treffen, ihn gehen zu lassen…..
Vor der Abfahrt machte ich noch ein Foto. Ausgehungert und verzweifelt, so wie er gekommen war, so ist er gegangen.
Sein Blick sagte „Hilf mir…..“

Ute Wyrwa am 23.11.2019

Meine Gedanken

Mein kleiner Junge, ich trage nun das Gefühl in mir dich im Stich gelassen zu haben. Diese Gedanken Quälen mich jetzt sehr, da Du mir
dein ganzes Leben lang immer vertraut hast. Fast jede Nacht sind wir beide Seite an Seite im Bett gelegen und haben tief und fest mit
dem Gedanken geschlafen, dass wir aufeinander aufpassen, uns vertrauen können.
Egal was ich gemacht habe, Du bist immer neben mir gestanden, hast mich begleitet und natürlich auch immer darauf gewartet, dass
für dich rein zufällig etwas Leckeres in deinem Schüsselchen landet, was auch meistens so war.
Du hast von mir bekommen was du wolltest, auch wenn dein Frauchen hin und wieder gesagt hat: “Schon wieder frisches Futter?”
Aber mir war das egal, da wir dich so sehr geliebt haben. Du hast uns in deinem Leben so vieles zurückgegeben, uns so vieles geschenkt!

Uns ist ein Stück Herz herausgerissen worden, ein großes Stück Herz – dieses Stück warst und bist du mein kleiner Junge….
Die Zeit wird in`s Land gehen und die Trauer und Leere in unseren Herzen wird sich etwas lindern, aber eines werden wir niemals:
Wir werden dich niemals vergessen – du warst und wirst immer unser Kind sein!!! Wir lieben dich kleiner Junge….

Ganymod
Author: Ganymod

Bedenke: Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall.

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