Es geht nur um das Geld

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Lesezeit: 2 Minuten

Was ich über “Hardcore Blogger” denke

Worte weich wie Seide, Sätze geformt wie seichte Wellen, die nach einem wunderschönen Urlaubstag am Meer
an das Ufer rollen und dabei den Sand zu küssen scheinen.
Grafiken bis zur Perfektion bearbeitet welche mit Texten welche von Engeln geschrieben worden zu scheinen, perfekt
in Szene gesetzt werden – pixelgenau und ohne jeglichen Fehler.
Ein kleiner Rechtschreibfehler, eine falsche Satzstellung, ein Komma vergessen?
Nein, es ist alles zu 100 % korrekt, fehlerfrei und (ich wiederhole mich) bis zur Perfektion aus- und abgearbeitet.

Sind hier Menschen am Werk, die Freude an dem haben was sie da schreiben, bearbeiten und Veröffentlichen?
Ja, es sind Menschen – Menschen, die irgendwann mal wirklichen Spaß, wirkliche Freude an dem gehabt haben was
sie da Tagtäglich machen. Menschen, die einst voller Freude waren, dass sich andere für ihre Worte interessieren.
Menschen, die einst voller Freude waren, dass andere einen netten Kommentar – sei es Lob oder Kritik – unter ihre
Worte geschrieben haben. Menschen, für die es beim Schreiben ihrer Artikel noch auf wirkliche Gefühle oder ihr
wirkliches “ich” angekommen ist – ein “ich” wie es normal in diesem Leben ist:
Voller kleiner bezaubernder Fehler, welche einen Menschen zu dem macht, was er eigentlich ist und sein sollte.
Menschen, die in FB Gruppen waren um sich mit anderen auszutauschen – über gewisse dinge ehrlich und ernsthaft
zu diskutieren, Menschen, die wirkliche Freundschaften gesucht haben.

Was ist aus manch einem dieser Menschen geworden?
Menschliche Schreibmaschinen, Menschliche Grafikprogramme, Menschliche Hüllen ohne wirkliche Seele!
Texte samtweich, aber dennoch eiskalt und berechnend.
Es müssen Produkte beworben werden – es müssen über Produkte Rezensionen geschrieben werden – aber natürlich
alles mit Worten die jeden, wirklich jeden als Freund erscheinen lässt – die jedem das Gefühl geben:
Ich möchte dir nur helfen, ich möchte das beste für dich!
Und genau das ist die Kunst beim Schreiben seiner Artikel – jedem dieses einzigartige Gefühl der Freundschaft zu geben.

Kommentare, Lob, Kritik von Besuchern die keine Potenziellen “Kunden” sind? – unwichtig!
Wirklicher Austausch der Gedanken, wirkliches Interesse der Meinung von Besuchern? – unwichtig!
FB Gruppen in denen so manch einer mal froh war, dass andere Menschen auf seine Artikel eingegangen sind – unwichtig!

Nur die Werbung für sein “Ding” zählt – alles andere ist nebensächlich!

Es muss immer weitergehen, Tag für Tag – aus Freude und Spaß ist eine Leidenschaft geworden, aus Leidenschaft
wurde die Perfektion, aus der Perfektion wurde der Automatismus.
Das Streben nach größerem ist wichtiger als ein Mensch mit Gefühlen und charmanten Fehlern zu sein.
Warum sich mit den kleinen aber schönen dingen des virtuellen Lebens abgeben, wenn es nichts Zählbares einbringt?
Der nächste Perfekte, sterile, samtweiche aber eiskalte Artikel muss geschrieben werden!
Die Besucherzahlen müssen stimmen, das Ranking bei Google muss besser werden – die Umsätze müssen steigen!

Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen.
Nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen.

Jürgen

“Ganymod”

“Niemand ist zu klein, um etwas zu bewirken. Das weiß am besten ein Moskito im Zimmer, wenn man versucht zu schlafen. ”


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2 Gedanken zu “Es geht nur um das Geld”

  1. Lieber Jürgen,
    ein interessanter Text. Ich muss zugeben mich hat das Bloggerfieber erwischt. Als ich damit Anfing tat ich es, weil ich es wollte, weil ich auch gerne schreibe.
    Dann habe ich irgendwann gemerkt, dass man tatsächlich Beziehungen zu Menschen aufbauen kann, die man nie in seinem Leben gesehen hat und vielleicht auch niemals sehen wird. Das hatte ich nicht für möglich gehalten. Aber ich finde das toll. So kann ich mit Menschen kommunizieren, die ich sonst nie kennen gelernt hätte.
    (Aber natürlich bringe ich der Statistik auch ein gewisses Interesse entgegen, genauso wie ich beim Radeln gerne weiß, wieviele Kilometer ich geschafft habe. Obwohl ich fast immer die gleiche Strecke fahre und die Kilometer längst kenne…)
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,
    vielen Dank für deinen Kommentar!
    Der Vergleich mit dem Radeln und der Statistik ist sehr gut – man möchte ja doch
    gerne wissen, was man erreicht hat (das liegt uns eben in der Natur)

    LG
    Jürgen

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