Burnout – was ist mit mir passiert?

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Als aus (m)einem normalen Leben ein Albtraum wurde.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: In mir wurde ein Schalter umgelegt und alles war anders!

Es war an einem Samstag im Herbst 2016, für mich ein ganz normaler Arbeitstag in dem Supermarkt, in dem ich gearbeitet habe.
Ich hatte an diesem Morgen Kassendienst und habe mich eigentlich sehr wohlgefühlt – es war ein schöner Tag und ich hatte Frühdienst. Ich war bei den meisten Kunden sehr beliebt und pflegte diese kleinen sozialen Kontakte während dem Kassieren mit kleinen Gesprächen. Gespräche über Gott und die Welt – man kannte sich!

An diesem Samstag jedoch passierte es!

Während dem Kassieren führte ich mit einer Kundin ein kleines Gespräch als mir plötzlich und total unerwartet etwas schwindelig wurde. Es war an diesem Morgen sehr viel los im Laden, aber normalerweise machte mir diese Art von Stress nicht viel aus. Ich Kassierte zunächst weiter, aber als ich den Betrag vom Display ablesen wollte, erkannte ich diesen fast nicht mehr. Ich schaute die Kundin an, schaute auf das Display – nochmals zur kundin – und nochmals auf das Display.
Die Kundin bemerkte, dass etwas nicht mit mir stimmte und fragte mich, ob es mir nicht gut gehen würde. Ich hörte zwar die Stimme und verstand die Frage, aber ich konnte nicht Antworten.

Eine Kollegin von mir hat die Situation beobachtet und kam sofort zu mir und hat mich ohne viel zu fragen an der Kasse abgelöst und zu mir gesagt, ich solle an die frische Luft gehen. Sie dachte, ich hätte etwas mit dem Kreislauf – auch ich dachte dies zunächst. Ich “Torkelte” zur nächsten Türe, die nur ein paar Meter entfernt war und konnte von dort hinter das Geschäft gelangen – dort setzte ich mich auf einen Stapel Paletten und atmete tief durch.

Zunächst dachte ich, es wäre nur der Kreislauf!

Ich ass einen Schokoriegel, da ich dachte, mir fehlt eventuell etwas Zucker – aber auch das brachte nichts.
Ich wollte weitermachen, aber es ging nicht mehr. Nach einigem hin und her machte ich Feierabend und ging nach Hause.
Wie ich es geschafft habe nach Hause zu kommen, frage ich mich bis heute…
Zu Hause angekommen legte ich mich gleich auf das Sofa, da mir immer Schwindeliger wurde – da lag ich nun!

Es sollte der Anfang einer langen Leidensgeschichte sein!

Der extreme Schwindel ging nicht – und Ich musste zum Arzt. Die erste Vermutung vom Arzt war: Verdacht auf einen leichten Schlaganfall – ich wurde sofort in die Klinik eingewiesen. Dort wurde ich dann untersucht, musste in die “Röhre” usw.
Organisch war alles Okay – mit mir wurden einige Tests gemacht – und schließlich wurde ich ohne Diagnose was meinen Schwindel verursacht wieder aus der Klinik entlassen.
Aber mein Schwindel und die Unsicherheit in allem, was ich gemacht habe (ich konnte nicht viel machen) war nach wie vor Präsent – so Präsent, dass ich nicht arbeiten gehen konnte. Nun ging es los: Ich wurde bei einigen Fachärzten vorstellig, aber keiner dieser Ärzte konnte mir etwas sagen – eine aussage machen, was mir den eigentlich fehlt.

Endlich eine Diagnose was es den sein könnte

Eines Tages, ich weiß nicht mehr genau wann es war, sagte mir meine Hausärztin: Ich habe den starken Verdacht, dass Sie ein Burnout haben!! Burnout?? Ich habe viel darüber gehört, aber ich habe dem nie wirklich viel Beachtung geschenkt, da ich bis dato der Meinung gewesen bin, dass die Menschen die einen Burnout haben wohl etwas übertreiben würden. Falsch gedacht!
Da sass ich nun, mit dieser vorläufigen Diagnose – und konnte es zunächst gar nicht glauben!
Meine Ärztin hat mir gleich eine Überweisung für einen Nervenarzt in die Hand gedrückt, damit dieser mich “untersuchen” kann.
Ich habe auch sofort einen Termin bei diesem Arzt bekommen, was ja in unserem Gesundheitssystem als Kassenpatient nicht immer so ganz selbstverständlich ist.

Nun saß ich vor diesem Doktor und dachte, er wolle mit mir reden – herausfinden was der Auslöser für meinen Schwindel sei. Auch hier habe ich falsch gedacht – diesen Facharzt interessierte nicht wirklich viel!
Nach ein paar Minuten ohne viel zu Reden drückte er mir ein Rezept in die Hand – Antidepressiva!!

Antidepressiva – Wundermittel!!

Ich ging in die Apotheke und holte mir das Medikament – hatte jedoch zu diesem Zeitpunkt ein eher schlechtes Gefühl.
Ob mir diese Pillen wirklich helfen können? Nach Vorschrift habe ich das Medikament dann eingenommen – nach gut einer Woche verspürte ich dann die ersten Änderungen: Ich war total aggressiv, der Schwindel wurde schlimmer und ich fühle mich noch elender als zuvor!! Ich habe dieses Medikament selbständig abgesetzt, weil ich wirklich zu einem Mr. Hyde mutierte.
Ich sprach mit meiner Hausärztin darüber und diese bekräftigte mich in meinem Entschluss, diese Medikamente nicht mehr zu nehmen. Es musste etwas anderes passieren!! Ich stelle gemeinsam mit meiner Hausärztin einen Rehaantrag.
Dieser Antrag wurde auch sofort genehmigt und ich hatte ein paar Wochen später schon einen Termin in einer Rehaklinik.

In der Rehaklinik

Über diese Klinik möchte ich nicht viel schreiben, da mir diese eher in schlechter Erinnerung geblieben ist.
Dort wurde alles und vieles gemacht, aber mein eigentliches Problem:
Schwindel, Unsicherheit, Panik, Depression wurde nicht wirklich behandelt. Dafür aber Stundenlange Vorträge über Tinnitus.
Kurz gesagt, diese 3 oder 4 Wochen waren völlig umsonst – es brachte mir rein gar nichts!
Ich stand also wieder da, ohne Hilfe, ohne richtige Diagnose und bekam von meinen Ärzten nur ein Schulterzucken!
Und nun??

Ich war nun schon sehr lange Krankgeschrieben und irgendwie konnte mir niemand helfen.
Meine Hausärztin verwies mich an einen Ortsansässigen Psychologen. Bei unserem ersten Termin stellte ich mich vor, spürte aber irgendwie sofort, dass die Chemie nicht zu 100% stimmte. Aber da ich unbedingt etwas tun wollte, lies ich mich auf diesen Mann ein.

Der Psychologe

Es war ein etwas älterer eigentlich sehr ruhiger Mann (was sich noch ändern sollte) der mich nach meinen Lebensumständen ausfragte. Ich erzählte ihm einiges, wurde aber immer wieder von ihm unterbrochen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass er nur das hören wollte wonach es ihm wahr… aber ich wollte das erzählen, was in mir steckt – was eigentlich raus muss!
Ich fühlte mich nicht richtig wohl bei ihm – dazu kam auch noch, das er ständig auf seine Uhr geschaut hat – später wusste ich warum: vor der Türe saß der nächste Patient und nach genau 60 Minuten, egal an welchem Punkt ich im Gespräch war stand er auf und sagte: “Bis in 2 Wochen dann!”

Ich war für ihn eine bezahlte Nummer, die Geld bringt – nicht mehr und nicht weniger!
Aber ich versuchte es weiter mit ihm, da ich keine andere möglichkeit gesehen habe. Nach der 4. oder 5. Sitzung sagte er mir dann: “Ich möchte, dass Sie in eine “Fastenklinik” gehen!! Ich fragte ihn, was dies den sei – er Antwortete:
“Ich arbeite mit einer Klinik in Bayern zusammen – dort werden Sie für 10 – 12 Wochen sein. Ohne Besuch, ohne Kontakt zur Außenwelt, kein Kaffee, kein Rauchen, kein Internet, kein TV kein “garnichts”…” BAM!!

Ich wusste sofort, dass ich für Therapie dieser Art nicht bereit bin und das nicht wollte/konnte!
Als ich ihm das sagte, schrie er mich an, was ich mir überhaupt einbilde.. wer ich sei!! Ich saß auf meinem Stuhl und wusste in diesem Moment nicht mehr weiter – ich wollte nur noch raus aus diesem Zimmer!!
Ich bin nie wieder zu diesem Mann gegangen – ich hatte regelrecht Angst – und mein Zustand wurde noch erbärmlicher.

Auf der Suche nach Hilfe!

Ich habe unzählige Psychologen angerufen, habe es wirklich überall versucht, aber die aussagen waren alle gleich:
Melden sie sich in einem Jahr nochmals (keine Termine frei) oder aber: “Sind sie Kassen oder Privatpatient…??”
Als Kassenpatient ist man eben nur 2. Klasse – da lohnt es sich nicht…

Irgendwann habe ich aufgegeben – ich wollte nicht mehr!


Mir wurde dann nahegelegt einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente zu stellen, der auch sofort durchgegangen ist.
Nun sind diese befristeten 2 Jahre bald um und ich weiß noch immer nicht weiter – was wird mit mir passieren?
Meine Gedanken kreisen nur noch um dieses Thema: Was passiert mit mir ? Kann mir niemand helfen?
Es mag sich für viele Lächerlich anhören, aber noch heute kann ich nicht alleine unter Menschen gehen – ich bewege mich für außenstehende scheinbar normal – aber in mir drinnen sieht die Welt anders aus…. Gespräche mit Personen die mir nicht so nahe stehen bringen mich an einen Abgrund, mein Körper schnürt sich zusammen, mein Atem wird unregelmäßig, mir schnürt es die Luft ab. Ich laufe sehr oft wie in einer Art Blase, bekomme nicht richtig mit was außerhalb dieser Blase passiert.
Selbstvertrauen habe ich im grunde gar keines mehr – ein halbwegs normales Leben habe ich nur noch zuhause in der Sicherheit der Familie und den eigenen 4 Wänden.

Ich mache mit Tag und Nacht Gedanken darüber, was andere von mir denken!

Der faule Mann, sitzt nur zuhause und seine Frau geht hart arbeiten – der hat doch nichts…
Gedanken… Gedanken… Gedanken….

Jürgen
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“Ganymod”

“Niemand ist zu klein, um etwas zu bewirken. Das weiß am besten ein Moskito im Zimmer, wenn man versucht zu schlafen. ”

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2 Gedanken zu “Burnout – was ist mit mir passiert?”

  1. Da ist aber viel schief gegangen. Gab es keine Beratung bei der Krankenkasse? Dort kennt man meist die besten Kliniken. Zwar dürfen die Sachbearbeiter keine Klinik besonders empfehlen, aber sie können Kliniken nennen, die für die Erkrankung geeignet sind. Ich habe einen Tinnitus und war deshalb zur Reha in der Schön Klinik Bad Arolsen. Dort wurden auch Burnout Patienten behandelt. Mir hat man dort sehr gut geholfen und ich denke, den Burnout Patienten auch.
    LG Elke

    • Hallo Elke,

      nein, leider habe ich keine gute Beratung bekommen. Ich war in Bad Grönenbach.
      Auch später, als ich Gott und die Welt um Hilfe gefragt habe, konnte mir niemand wirklich weiterhelfen.
      Man hängt total in den Seilen, will schon fast aufgeben – denkt immer: Irgendwo muß doch mal eine Türe aufgehen.
      Aber bisher ist keine Türe aufgegangen…

      LG
      Jürgen

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